Digitales Zentralbankgeld – Wann zieht die EZB nach? Die Einführung eines digitalen Zentralbankgeldes (CBDC) scheint nur eine Frage der Zeit. Das Interesse an Bargeld sei jedoch ungebrochen, so Yves Mersch von der Europäischen Zentralbank.

China macht es bereits vor. Das Land steckt mitten in der Entwicklung einer Central Bank Digital Currency (CBDC). Das digitale Zentralbankgeld verspricht dem Reich der Mitte einen geschmeidigen Geldverkehr, die bessere Überwachung von Geldströmen und nicht zuletzt einen ökonomischen Vorteil. Vergangenen Monat ist das digitale Zentralbankgeld in China bereits in die Testphase gegangen. Seitdem bekommen Regierungsbeamte ihr Gehalt zum Teil in Form der CBDC ausgezahlt.

Von solchen Formen von digitalem Zentralbankengeld gehen – wie es sich momentan unter anderem in China anbahnt – auch Gefahren aus. Vor allem die Kontrolle der Finanzflüsse durch zentralisierte Stellen kann eine Einschränkung der Privatsphäre bedeuten. Das bestätigt Prof. Dr. Fabian Schär, Geschäftsleiter des Center for Innovative Finance an der Uni Basel, gegenüber BTC-ECHO:

    “CBDC sind grundsätzlich spannend und potentiell effizienzsteigernd, bergen aber auch enorme Gefahren hinsichtlich Datenschutz und Transaktionsautonomie. Man sollte sich bewusst sein, dass diese Projekte stark zentralisiert sind und ein erhebliches Machtinstrument darstellen – insbesondere, wenn sie mittelfristig tatsächlich das Bargeld ersetzen sollten.” (Prof. Dr. Fabian Schär)
Keine Gefahr für Bargeld?

Doch in der Entwicklung ist die Regierung in China nicht allein, im Gegenteil. In einer Befragung von 66 Banken fand die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) heraus, dass 80 Prozent der befragten Zentralbanken an entsprechenden Projekten arbeiten. In einer Rede am 11. Mai bei der Consensus-Konferenz betonte nun auch Yves Mersch, Mitglied des EZB-Direktoriums, dass auch die Europäische Zentralbank an einer CBDC arbeite.

CBDC verspricht Vorteile

Mersch betont, dass es wichtig sei, die Vorteile, die sich durch eine Technologiesierung des Geldes ergebe, zu nutzen.

    “Nicht, weil wir mit den Modetrends Schritt halten wollen, sondern weil wir bereit sein müssen. Bereit für finanzielle technologische Innovationen, die das Potenzial haben, Zahlungen und Geld schneller und auf disruptivere Weise umzuwandeln als je zuvor.” (Yves Mersch)

Prinzipiell geht Mersch von einer Bereitschaft der Europäer für digitales Zentralbankgeld aus. Dennoch sehe er die Vormachtstellung des Bargeldes nicht bedroht. Wie er weiter betont, finden nach wie vor 76 Prozent aller Euro-Transaktionen in bar statt. Bei der Gesamtmenge an übertragenem Geld seien es sogar rund 50 Prozent. Mitte März habe der Wert an zirkulierendem Bargeld sogar fast die historische Marke von 19 Milliarden Euro erreicht. Auch die Einführung einer CBDC würde das Bargeld nicht bedrohen.

    “Obwohl Bargeld oft eine schlechte Presse bekommt, geht die Nachfrage nicht zurück. Wir sehen derzeit keine Anzeichen dafür, dass die breite Öffentlichkeit bereit ist, auf die geschätzten und vertrauenswürdigen Vorteile von Bargeld zu verzichten. Aber wir bereiten uns darauf vor, bereit zu sein, falls sich die Dinge ändern sollten.” (Yves Mersch)

Um nichtsdestotrotz bereit zu sein, habe die Europäische Zentralbank eine Task Force eingerichtet. Diese widme sich der Erforschung und Erprobung von möglichen Formen einer CBDC.

Digitales Zentralbankgeld: Wie könnte die CBDC der EZB aussehen?

Mersch räumt ein, dass ein großer Teil des Geldverkehrs bereits digital stattfinde. Eine Ausgestaltung einer CBDC würde sich dennoch von den aktuellen Formen des Geldes unterscheiden. So entwirft der EZB-Vorsitzende folgende Szenarien für ein digitales Zentralbankgeld.

Bei einem „Retail CBDC“, also einem digitalen Zentralbankgeld für alle, sei zunächst dessen rechtlicher Status beziehungsweise regulatorische Einordnung zu klären. Schließlich sei es unserem aktuellen Geld, das auch die digitale Form annehmen kann, zu eigen, dass es auch ausschließlich offline verwendet werden könne. Denkbar wäre hier eine CBDC in Token-Form mit dezentraler Basis. Fallstrick hierbei sei es jedoch, dass man die Anonymität nur bedingt wahren könne, was wiederum soziale und politische Fragen aufwerfe.

Alternativ dazu sei ein Retail CBDC auf Basis von Einlagekonten bei Banken denkbar. Hier sei es für die EZB möglich, die Kontrolle zu behalten und die Einhaltung der Anti-Geldwäscherichtlinien zu überprüfen.

Dabei, so betont Mersch weiter, handle es sich jedoch nur um zwei Alternativen von vielen. Daher gelte es nun, die Möglichkeiten detailliert zu untersuchen und dabei die nötige Vorsicht walten zu lassen:

    “Wir dienen nicht der Technik – die Technik dient uns. Wir werden nur dann eine digitale Währung einführen, wenn wir fest davon überzeugt sind, dass sie sowohl notwendig als auch verhältnismäßig ist, um unsere Aufgaben bei der Sicherung der Stabilität unserer Währung zu erfüllen.
    In der Zwischenzeit interessieren wir uns sehr für digitale Innovationen und die sich ändernden Erwartungen der Geldnutzer, und wir verfeinern unsere Überlegungen zum CBDC – sowohl innerhalb der EZB, des Eurosystems als auch in der internationalen Zentralbankengemeinschaft. Die Designentscheidungen des CBDC sind nicht nur technische Fragen. Sie haben politische und rechtliche Auswirkungen. Deshalb widmen wir jedem Detail so viel Aufmerksamkeit.
    Falls und wenn die Zeit gekommen ist, wollen wir bereit sein – und wir werden bereit sein,”

ergänzt Mersch die Aussichten auf eine CBDC der EZB.

Dieser Artikel erschien zuerst auf BTC-Echo. (Autor: Phillip Horch)

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