Irans Regierung gibt Mining-Farmen die Schuld an den anhaltenden Stromausfällen im Land. Hunderte von ihnen sind während Razzien inzwischen geschlossen und das Equipment wurde konfisziert.

Teheran und andere iranische Städte wurden in den vergangenen Wochen immer wieder von Stromausfällen betroffen. Der Iran machte schnell die Mining-Farmen als Schuldige aus. Doch jetzt kam heraus, dass diese direkt von chinesischen Firmen im Land betrieben werden.

Nach Angaben der Associated Press hat die iranische Polizei rund 1.600 Mining-Farmen im Land geschlossen. Wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim News Agency berichtet, wurden bei den Razzien etwa 45.000 Mining-Computer beschlagnahmt.

Mining-Farmen im Iran

The Observer von France 24 hat in einem investigativen Report Hintergründe zu den Farmen im Iran gesammelt und versucht, der Sache auf den Grund zu gehen. Offiziellen Angaben zufolge gebe es 14 Mining-Farmen im Iran, welche rund 300 Megawatt Energie verbrauchten. Das wäre ausreichend für eine Stadt mit 100.000 Einwohnern.

Mittlerweile soll der Energiebedarf eher gegen 450 Megawatt liegen. Das könnte die Stromausfälle zu Beginn des Jahres erklären. Ein Werbevideo zeigt eine einzelne 175-Megawatt-Farm.

Extrem niedrige Strompreise für Miner

Der Staat subventioniert die Strompreise in dem vorderasiatischen Staat. Aus diesem Grund ist das Krypto-Mining im Iran äußerst populär. Nach Erhebungen der Universität Cambridge ist der Iran das Land mit der sechstgrößten Mining-Kapazität weltweit. Neben illegalen Mining-Farmen gibt es auch legale Anbieter. Insgesamt hat der iranische Staat mehr als 1.000 Genehmigungen für den Betrieb solcher Anlagen vergeben. Tatsächlich nutzen die Genehmigungen aber nur rund Zweidutzend Anbieter.

Das Land produziert Strom für 1,8 Cent pro Kilowattstunde, in Deutschland liegt der Erzeugerpreis zuzüglich Netzentgelte hingegen aktuell bei 15 Cent (PDF, Folie 10), wo jedoch schon viele andere Teile einfließen und letztlich nicht den reinen Erzeugerpreis darstellen. Während die iranische Regierung behauptet, diesen dann zum zehnfachen Preis zu verkaufen, bekommen die Mining-Farmen ihn für 2,2 Cent pro Kilowattstunde.

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Damit können nicht einmal das chinesische Festland oder andere Länder in Asien konkurrieren, in denen das Mining-Geschäft bisher boomte. Die Regionen entwickelten sich in den letzten Jahren jedoch mehr und mehr zu teuren Gebieten für diesen Geschäftszweig. Insofern suchen die Firmen immer neue Länder, in denen das Minen lukrativer ist. Kryptowährungen selbst sind im Iran sehr beliebt, vor allem, weil sich durch die anonymen Online-Zahlungen Sanktionen gegen iranische Banken umgehen lassen.

Kritiker sehen Vorgehen als Ablenkung

Kritiker werfen der Führung in Teheran vor, mit dem Vorgehen gegen die Krypto-Miner von strukturellen Problemen bei der Stromversorgung ablenken zu wollen. Laut dem Telekommunikationsministerium macht Krypto-Mining nur zwei Prozent des Energieverbrauchs des Landes aus. Bitcoin war hier ein leichtes Opfer“, zitiert die Associated Press den ehemaligen Politiker Kaveh Madani. Seiner Meinung nach haben „Jahrzehnte des Missmanagements“ zu einer wachsenden Kluft zwischen Energieproduktion und Stromnachfrage geführt.

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